Lange Zeit spielte ich schon mit der Idee, mir ein weiteres Instrument anzuschaffen. Es sollte wieder etwas akustisches werden und idealerweise in die Richtung Ukulele gehen. Eine weitere Ukulele war mir grad etwas zu abgedroschen (auch wenn der Zeitpunkt, an dem ich mir wieder eine Ukulele anschaffen werde, sicherlich in nicht all zu langer Zeit erneut kommen wird), also fiel mein Interesse auf eine Guitalele – wie der Name schon sagt, eine Mischung aus Gitarre und Ukulele. Im Grunde handelt es sich dabei um eine verkleinerte Akustikgitarre mit Capo im 5. Bund, demnach in A-Stimmung. Der Ton lässt sich ebenfalls als eine Mischung aus Nylongitarre und Ukulele bezeichnen. Klingen die Nylonsaiten exakt wie die einer Ukulele, so sorgen die drei stahlumwobenen Saiten für einen guten basslastigen Kontrast.
Im Vergleich zur Sopranukulele, ist die Guitarlele mit einer Mensur von knapp 45cm und einer Gesamtlänge von 73cm schon etwas Voluminöser. Aufgrund der enger aneinanderliegenden Saiten, ist die Fummelei allerdings nicht geringer. Rein subjektiv war die erste Begegnung mit einer Ukulele sogar etwas angenehmer und fingerfreundlicher, da hierbei der Saitenabstand nicht all zu gering ist. Immerhin sind bei der Guitarlele auf nur einem cm mehr an Halsbreite, zwei zusätzliche Saiten vertreten. Es erfordert anfänglich einiges an Fingerkoordination, hier auch die richtigen Saiten zu treffen. Insbesondere Barréakkorde gestalten sich als schwierig, aber machbar.
Ich entschied mich für die GL1 von Yamaha, da diese mit knapp über 50Eur einen sehr guten Preis, sowie ein sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis bietet. Obendrein macht sie optisch einiges her und erinnert noch mehr an eine geschrumpfte Akustikgitarre, als es eine Ukulele macht.
Leider entpuppte sich meine GL1 als Montagsinstrument: Permanentes Schnarren beim Ausklingen der Saiten, sowie Macken im Griffbrett. Dinge, die nicht sein dürfen. Thomann ist hier hoffentlich recht kulant. Einen genauen Test gibts dann mit – hoffentlich fehlerfreiem – Austauschinstrument.
Update (29.09.2012):
Die Wochen strichen dahin. Drei um genauer zu sein. Die erste GL1 ließ sich problemlos umtauschen, das Umtauschinstrument erhielt ich wenige Tage später. Voller Vorfreude packte ich es aus und es kam, wie es nicht hätte kommen dürfen: auch das Umtauschinstrument, welches auf dem ersten Blick makellos erschien, entpuppte sich als fehlerbehaftet. Zwar waren hier nur optische Mängel ersichtlich, doch ließen diese das Instrument billig und zusammengeflickt aussehen. Als da wären: Unterschiedliche Hölzer auf der Decke, die Leimnaht verlief diagonal und die Maserungen der Hölzer standen nicht parallel zueinander. Sperrholzoptik pur. Aufgrund der asymmetrischen Maserungen der Hölzer erschien der Steg schief – allerdings nur eine optische Täuschung. Doch muss sowas sein? Abermals kontaktierte ich Thomann und entschied mich, von der Money-Back-Garantie Gebrauch zu machen, da ich es leid war, ständig mit minderwertigen Guitalelen kämpfen zu müssen, da anscheinend entweder alle GL1-Modelle von minderer Qualität waren oder ich ständig Instrumente aus einer fehlerhaften Charge bekam. Der Retourekarton landete schnell bei der Post und somit war das Kapitel GL1 hiermit für mich beendet.
Den Kummer, den mir die GL1 bereitete, schon längst vergessen, klingelte am 18.9. mein Nachbar an der Tür und überreichte mir ein Paket, welches bei ihm abgegeben worden war. Ich staunte nicht schlecht, abermals stand ein überdimensionierter Thomann-Karton vor mir. Schweißperlen prickelten auf meiner Stirn. Haben die mir etwa noch eine GL1 geschickt? Ist meine Forderung nach der Geld-Zurück-Garantie etwa untergegangen? Wurd mein Schreiben, welches der zweiten Retoure beilag, in dem ich meinen Frust über die GL1 beteuerte, etwa gar nicht gelesen? Fast schon zitternd, mit Angst vor dem, was mich beim Öffnen des Kartons erwarten würde, griff ich beherzt zur Schere und öffnete die Kiste. Tatsächlich fand ich im Innern erneut einen trapezförmigen Karton mit der Aufschrift “Yamaha – GL1″.
Nun war sie da, die dritte Gitarlele, die ich ansich nicht mehr wollte. Es ging ans Eingemachte. Schnell war der Yamahakarton geöffnet, fix den Gigbag aufgefummelt und den Schaumstoffbeutel mit der GL1 herausgenommen. Ich war aufgeregt und schwor mir, auf alle erdenklichen Mängel zu achten.
Und da hielt ich sie in den Händen. Guitarlele Nummer drei. Eine astreine, honiggelbe Decke lächelte mich an. Ein Griffbrett, so ordentlich und pedantisch gehobelt, als hätte ein Aufseher mit einer Peitsche bei der Herstellung daneben gestanden, schmiegte sich an meine Hände. Die Bändstäbchen waren exakt geschliffen, scharfe Kanten suchte ich vergebens. Es musste tatsächlich erst die dritte Guitalele sein, die mich überzeugte. Und genau dies tat sie. Meine längst erloschene Hoffnung wich einer unbeschreiblichen Freude. Das verlorene Kind kehrte Heim! Schnell stimmte ich sie und spielte die ersten Akkorde. Der Klang war wunderschön, warm, voluminös, ukulelentypisch quakend aber auch gitarrenmäßig kräftig. Es war Liebe auf den ersten Blick und die Freude, dass ein günstiges, asiatisches Instrument doch fehlerfrei sein kann, war riesig.
Da ich das Instrument nun endlich als mein Eigentum akzeptiere, konnte ich mich auch näher damit befassen. Die Guitalele gleicht optisch einer Akustikgitarre und klingt aufgrund der A-Stimmung und der Bauweise wie eine Ukulele mit drei Stahlsaiten. Im Vergleich zu meiner Stagg Sopran Uke, wirkt die GL1 schon fast riesig. Um so erstaunter war ich, dass es doch einiges an Fummelei erforderlich war, auf ihr die ersten Akkorde zu greifen, fällt mir das Greifen auf der viel kleineren Ukulele doch so einfach. Nun, die GL1 hat nunmal sechs Saiten, die demnach enger beieinander liegen. Es ist also mehr Fingerspitzengefühl zum Greifen von Nöten, allerdings setzt die Gewöhnung schnell ein.
Klangbeispiele und weitere Details folgen. Vorab erstmal ein Bild zum Größenvergleich mit einer Jackson Dinky, Konzertgitarre und Sopranukulele.




